Dieter König war kein direkter Zeitzeuge, sondern kannte das historische Rembertiviertel nur aus Bildern und Erzählungen seiner Familie.

Vielleicht sind die beiden Fotos interessant, die ich im Nachlass meiner Mutter gefunden habe. Vermutlich hat sie sie als Kind Anfang der 30er Jahre aus dem Fenster der Wohnung ihrer Großeltern Vierich in der Meinkenstraße 39/40 (Bohnenstraße Ecke Meinkenstaße, heue Eduard-Grunow-Straße) aufgenommen. Sie zeigen wohl das Ende der Wilhelmstraße gegenüber der Bohnenstraße. Die Bäckerei H. Farwig steht im Bremer Adressbuch von 1930 für die Wilhelmstraße 17

Aus heutiger Sicht beachtlich ist die geringe Fahrbahnbreite und die vielen Menschen auf der Straße. Allerdings gab es mit dem (vermutlich) Umzug ja auch ordentlich etwas zu sehen. Auch meine Mutter, damals um die 10 bis 14 Jahre alt, drückte deshalb wohl auch auf den Auflöser.

Wilhelmstrasse mit Lkw und Pferdewagen_Helma Luedering
Blick in die Wilhelmstraße Anfang der 30er Jahre / Quelle: Dieter König
Wilhelmstrasse mit Lkw_Helma Luedering
Blick in die Wilhelmstraße Anfang der 30er Jahre / Quelle: Dieter König

Auf den Bildern zu erkennen ist die Toreinfahrt mit dem Schild der „Selbstfahrer-Union“ (Autovermietung) und ein Feuermelder.

Die Großeltern meiner Mutter betrieben eine „Delicateß- und Colonialwarenhandlung“, also einen Lebensmittelladen für den gehobenen Bedarf, in dem Eckhaus Bohnenstraße / Meinkenstaße (heute Eduard-Grunow-Straße 23, in dem heute ein Pflegedienst sein Büro hat). Später unterhielten sie dort eine Verkaufsstelle der „Bremer Konsumverein AG“, einer Einkaufsgenossenschaft, ab 1925 „Bremer Konsum- u. Wirtschaftsverein A.-G.“ (so im Adressbuch von 1930: //brema.suub.uni-bremen.de/periodical/pageview/790204), ab 1933 „Brema Kolonialwarenverkauf AG“. In den 80er Jahren war darin ein Copy-Shop, später die Grauen Panther, davor, dazwischen und danach wasweißnichtalles. Meine Großmutter ist dort als Kind aufgewachsen. Aus der Klavierfabrik von Thein nebenan (Bohnenstraße 4a) hörte sie immer die Klänge der Klaviere, die eingestimmt wurden.(Später wollte sie Konzertpianistin werden und wurde tatsächlich Klavierlehrerin.)

In den ersten Nachkriegsjahren haben übrigens meine Eltern noch einige Monate in dem Haus gewohnt, nachdem meine Urgroßeltern im Krieg in ihr Wochenendhaus aufs Land gezogen waren.

Von 1984 bis 1988 habe ich übrigens noch mal „um die Ecke“ in der Ostendorpstraße gewohnt (die meine Großmutter aber stets nur als „Lerchenstraße“ kannte). Da war von der Wilhelmstraße nichts mehr zu sehen. Statt dessen toste der Verkehr am Haus der Kinderjahre meiner Oma vorbei.
Das hat sich seitdem auch nicht mehr geändert.